Orte · Bayern

Ein Saal, 188 Plätze, Sternenhimmel — und Bayerns Spitzenpreis

Seit 1982 läuft in der fränkischen Kleinstadt Ochsenfurt ein Programmkino, das 2018 den Spitzenpreis des bayerischen Kinoprogrammpreises holte — gegen alle Großstadtkinos. Die Stadt nennt es eines der höchstdekorierten Kinos Deutschlands.

Das Casablanca in Ochsenfurt, Unterfranken · Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Das Casablanca in Ochsenfurt am Main ist ein Kino, wie es sie kaum noch gibt: ein einziger Saal mit 188 Plätzen und Balkon, Saalarchitektur aus den Fünfzigern, ein Sternenhimmel an der Decke, im Foyer eine Kino-Kneipe. Gegründet 1982, angeschoben von Georg Dawo und Gert Dobner.

Das Programm: Arthouse und Originalfassungen, Kinderkino, Dokumentationen, Schulprojekte, Open-Air-Abende auf Weingütern, Stummfilme mit Livemusik. 2018 zeichnete der Freistaat das Haus mit dem Spitzenpreis des bayerischen Kinoprogrammpreises aus — die damalige Digitalministerin Judith Gerlach würdigte, das Casablanca biete „seit 35 Jahren Kino auf höchstem Niveau“. Dazu kamen über die Jahre weitere Preise, zuletzt 2024 der Kulturpreis des Landkreises Würzburg.

„Kinos sind kulturelle Hotspots, die Menschen zusammenbringen“, sagte Gerlach bei der Verleihung. In einer Zeit, in der alles auf den eigenen Bildschirm wandert, ist der Akt, gemeinsam in einem dunklen Raum zu sitzen, fast schon ein politischer geworden. In Ochsenfurt ist er einfach nur Samstagabend.

Niemand hier glaubt, dass Kultur nur in Großstädten funktioniert. Sie haben schlicht keine Zeit für diese Debatte — der Film fängt gleich an.

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