
Nachbarschaft · Baden-Württemberg
Als der letzte Laden schloss, gründeten sie einfach eine Genossenschaft
In Hülben bei Bad Urach drohte die Grundversorgung wegzubrechen. Statt zu klagen, zeichneten fast 200 Bürger Anteile — und eröffneten 2017 ihren eigenen Laden. Im ehemaligen Schlecker, schräg gegenüber dem Rathaus.
Die Hülbener Dorfladen eG auf der Schwäbischen Alb · Redaktion · 5 Min. Lesezeit
Die Hülbener haben sich ihre Hürden selbst gesetzt, und zwar hoch: mindestens 150 Mitglieder, die einen Anteil zeichnen, mindestens 50 Ehrenamtliche, 200 ausgefüllte Fragebögen aus den Haushalten — erst dann sollte gegründet werden. Es wurden 196 Mitglieder und 250 Fragebögen.
Angefangen hatte es 2015 mit einer Bürgerinitiative gegen den drohenden Wegfall der Grundversorgung, nachdem der örtliche Lebensmittelladen vor dem Aus stand. Zusammen mit der Gemeinde und gefördert über das EU-Programm LEADER Mittlere Alb entstand die Hülbener Dorfladen eG. Am 19. Januar 2017 öffnete der Laden — in der ehemaligen Schlecker-Filiale, die seit 2012 leer stand.
Heute arbeiten dort Hauptamtliche und Ehrenamtliche Seite an Seite. Es gibt Backwaren vom örtlichen Bäcker, viermal die Woche frisches Obst und Gemüse, freitags Milchprodukte vom Bauernhof, ein Unverpackt-Regal, ein Café und sogar eine Post-Filiale mit Gold-Zertifikat. 2018 wurde der Laden als „Shop of the Year“ ausgezeichnet. Die Kunden sind hier buchstäblich Teilhaber.
Es ist die unspektakulärste Erfolgsgeschichte, die man sich vorstellen kann: Ein Albdorf wollte sich nicht damit abfinden, dass man zum Einkaufen wegfahren muss. Und vielleicht ist es genau deshalb die Geschichte, die zählt.


