
Orte · Thüringen
Die Stadt, die der Welt die Christbaumkugel schenkte, bläst immer noch Glas
Seit 1597 wird in Lauscha Glas gemacht; 1847 entstanden hier die ersten gläsernen Früchte für den Weihnachtsbaum. In der Farbglashütte von 1853 formen Glasmachermeister das Material bis heute mit dem Atem.
Die Farbglashütte Lauscha im Thüringer Wald · Redaktion · 5 Min. Lesezeit
Am 10. Januar 1597 erhielten die Glasbläser Hans Greiner und Christoph Müller von Herzog Johann Casimir die Konzession für eine Glashütte im Thüringer Wald. Seitdem ist Lauscha Glasstadt — seit mehr als 425 Jahren, ohne Unterbrechung.
1847 schuf ein Lauschaer Glasbläser die ersten Früchte und Nüsse aus Glas — die Vorläufer der Christbaumkugel, die von hier aus die Welt eroberte: Ab etwa 1870 wurde mit Silbernitrat verspiegelt, 1880 wurde der amerikanische Woolworth-Konzern auf den Schmuck aus dem Thüringer Wald aufmerksam. Rund 5.000 verschiedene Formen entstanden zwischen 1870 und 1939 in dem kleinen Ort.
Und heute? In der Farbglashütte, 1853 von Elias Greiner-Vetter-Sohn als Murmel-Hütte gegründet, wird immer noch am Ofen und am Brenner gearbeitet — Christbaumschmuck, Rosenkugeln, Thüringer Waldglas, dazu rund 275 verschiedene Farbglas-Sorten als Stäbe und Röhren, der Rohstoff für die Lampenglasbläser des Orts. Glasmachermeister wie René Queck, Ricardo Scholz und Ive Meusel führen das Handwerk fort; im Ort arbeiten weitere Glasbläserbetriebe, und eine Berufsfachschule für Glas bildet den Nachwuchs aus.
Ein Handwerk, das schon oft totgesagt wurde, atmet weiter — buchstäblich: Der Moment, in dem aus Atem und Hitze eine Form entsteht, die es kein zweites Mal gibt, gehört keiner Maschine.


