Natur · Schleswig-Holstein

Über 200 Heuler pro Jahr — und das Ziel ist immer der Abschied

Seit 1985 zieht die Seehundstation Friedrichskoog verwaiste Seehund-Jungtiere groß und wildert sie wieder aus. Im Januar 2026 gingen Karlsson, Marieke, Smilla und Molly zurück in die Nordsee.

Die Seehundstation Friedrichskoog, Dithmarschen · Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Der schönste Tag ist der, an dem sie gehen. Am 22. Januar 2026 waren es vier Kegelrobben: Karlsson, aufgenommen Mitte November mit 17,6 Kilo, dazu Marieke, Smilla und Molly, die mit einer schweren, inzwischen verheilten Bissverletzung gekommen war. Alle vier waren auf der Helgoländer Düne gefunden und vom zuständigen Seehundjäger Michael Janßen geborgen worden. Jetzt glitten sie zurück in die Nordsee.

Die Seehundstation Friedrichskoog, 1985 von der Gemeinde und dem Landesjagdverband Schleswig-Holstein gegründet, ist die einzige nach dem internationalen Wattenmeer-Abkommen autorisierte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein — junge Seehunde, die ihre Mutter verloren haben. Jährlich werden hier über 200 verlassene Jungtiere aufgezogen und nach rund zwei Monaten wieder ausgewildert. Geleitet wird die Station seit 1997 von der Biologin Tanja Rosenberger; rund 150.000 Besucher kommen pro Jahr.

Ausgewildert wird erst, wenn die Tiere ihr Mindestgewicht erreicht haben und die Nationalparkverwaltung zustimmt. Dann fährt das Team an den Strand, öffnet die Boxen — und schaut zu, wie die Tiere nicht zurückschauen.

Es ist eine seltene Sorte von Fürsorge: eine, deren Erfolg darin besteht, nicht mehr gebraucht zu werden. In Friedrichskoog wiederholt sich dieses Happy End über 200 Mal im Jahr.

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